Reflexion in der Führung: Warum wirksame Führung bei uns selbst beginnt

Sei du selbst; alle anderen gibt es schon
— Oscar Wilde

Führung bedeutet, das Verhalten anderer Menschen zu modulieren.
Nicht zu manipulieren – sondern Orientierung zu geben, Entwicklung zu ermöglichen und Wirkung zu erzeugen. Genau deshalb beginnt gute Führung immer bei einer Frage: Wie reflektiert bin ich selbst?

Reflexion ist keine weiche Zusatzkompetenz, sondern ein zentrales Führungsinstrument. Sie entscheidet darüber, ob Führung Vertrauen schafft, Widerstand auslöst oder wirkungslos bleibt. In der Praxis lassen sich drei Formen der Reflexion unterscheiden, die zusammen wirksame Führung ermöglichen.

1. Authentische Reflexion: Bin ich wirklich ich?

Die erste und vielleicht grundlegendste Form ist die authentische Reflexion.
Sie stellt die Frage: Handle ich authentisch?

Wenn Führungskräfte ihr Verhalten bewusst anpassen oder verändern wollen, wird Authentizität zum kritischen Faktor. Der Mensch ist evolutionär darauf geprägt, Unstimmigkeiten im Verhalten anderer sehr sensibel wahrzunehmen. Nicht-authentisches Verhalten wird – meist unbewusst – als potenzielle Bedrohung interpretiert.

Die Folge:

  • Vertrauen sinkt

  • Widerstand entsteht

  • Führung verliert an Wirkung

Authentische Reflexion bedeutet daher nicht, immer gleich zu handeln, sondern stimmig zu handeln. Zwischen innerer Haltung und äußerem Verhalten darf keine dauerhafte Diskrepanz entstehen.

2. Fachliche Reflexion: Ist mein Führungsverhalten fundiert?

Die zweite Ebene ist die fachliche Reflexion.
Hier lautet die Frage: Ist mein Führungsverhalten fachlich korrekt?

Gute Führung basiert nicht allein auf Erfahrung oder Intuition. Sie braucht Wissen – insbesondere über:

  • menschliches Verhalten

  • Motivation

  • Entscheidungsprozesse

  • neuropsychologische Grundlagen

Führungskräfte müssen sich reflektieren, ob sie dieses Wissen kennen und in ihrem Führungsalltag tatsächlich berücksichtigen. Wer Menschen führen will, sollte verstehen, wie Menschen wirklich reagieren – nicht, wie sie reagieren sollten.

Fachliche Reflexion schützt vor gut gemeinten, aber wirkungslosen oder sogar kontraproduktiven Führungsmaßnahmen.

3. Konzeptionelle Reflexion: Passt das alles zu mir?

Die dritte Form ist oft die am meisten unterschätzte: die konzeptionelle Reflexion.
Sie stellt eine unbequeme, aber entscheidende Frage:
Entspricht fachlich korrektes Führungsverhalten meinem Selbstkonzept?

Jeder Mensch trägt Glaubenssätze, Werte und innere Überzeugungen in sich. Wenn neues Führungswissen diesen inneren Überzeugungen widerspricht, entsteht ein innerer Konflikt. Die Konsequenz: Das neue Verhalten fühlt sich „falsch“ an.

In solchen Fällen gilt:

  • Authentisches Handeln ist nicht möglich

  • Neues Wissen wird nicht nachhaltig angewendet

  • Führung fällt zurück in alte Muster

Konzeptionelle Reflexion bedeutet daher, das eigene Selbstkonzept zu überprüfen und – wenn nötig – weiterzuentwickeln. Erst wenn innere Haltung und fachliches Wissen zusammenpassen, kann Führung dauerhaft wirksam werden.

Wirksame Führung entsteht im Zusammenspiel

Die drei Formen der Reflexion stehen nicht nebeneinander – sie greifen ineinander:

  • Authentizität schafft Vertrauen

  • Fachlichkeit schafft Wirkung

  • Ein stimmiges Selbstkonzept setzt Potenzial frei

Wirksame Führung entsteht dort, wo alle drei Ebenen zusammenkommen.

Fazit

Führung beginnt nicht beim Team, sondern bei der Führungskraft selbst.
Wer das Verhalten anderer Menschen bewusst beeinflussen will, muss bereit sein, sich selbst ehrlich zu reflektieren – authentisch, fachlich und konzeptionell.

Denn Führung wirkt nur dann, wenn sie echt, fundiert und innerlich stimmig ist.

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